Acht unauffällige Kartons im Stadtarchiv Jüterbog

Acht unauffällige Kartons im Stadtarchiv Jüterbog

geben unerwartet viel Auskunft.

2019 stand nicht nur unser Familientreffen in Jüterbog auf dem Programm, wir nutzten den Aufenthalt auch für Recherchen im historischen Stadarchiv Jüterbog.

Neben jenem Karton mit der Signatur 3248, dessen Inhalt mit der finanziellen Hilfe der Mitglieder der Familinstiftung des Georg Koppehele restauriert werden konnten (In neuem Glanz zurück und Das Koppehel’sche Legatum zu Magdeburg), fanden wir noch weitere acht Kartons, die unser Interesse weckten – zu Recht, wie wir inzwischen festgestellt haben.

Im September 2021 traf sich das bewährte Team Rainer/Kowar wieder im Stadtarchiv Jüterbog um diese acht Kartons abzufotografieren. Wir fanden reichlich Material, das uns sicherlich die nächsten Jahre beschäftigen wird. Da Kirchenbücher immer wieder bei einem Brand vernichtet wurden, könnten manche dieser Schriftstücke die einzige Quelle und Hilfe bei der Suche nach Vorfahren sein.
Die gewonnenen Daten komplettieren unsere Datenbank, die wir auf Basis der roten Stammbaum-Bücher im Stadtarchiv Jüterbog (Sig. 3252-3254) seit Herbst 2016 angelegt haben. (Arbeitsgruppe Stammbaumblätter). Inzwischen habe ich festgestellt, dass diese Stammbaum-Bücher, auch wenn sie Lücken aufweisen, eine einigermaßen verläßliche Quelle abgeben.

Diese Abschriften wurden von Ortspfarrern angefertigt und deren Richtigkeit in den darauf folgenden Jahren amtlich belaubigt. Hin und wieder findet sich sogar eine amtliche Bestätigung, dass nämliche Pfarrer auch tatsächlich die Amtsbefugnis hatte, diese Abschriften anzufertigen.

Derzeit werte ich die Schriftstücke des Karton mit der Signatur 3260 aus. Darin befinden sich vor allem Kirchenbuchauszüge von Mitglieder aus dem 1. Stamm, 1. Zweig, also Nachkommen von Ambrosius Koppehele. Ausgestellt wurden die meisten Auszüge im Zeitraum zwischen 1823 und 1850. Attestiert wurden sie von Beamten des königl. Preuß. Land- und Stadtgericht. Der Zeitraum die Geburtsdaten liegt zwischen 1750 und 1820.
Viele der Abschriften wurden auch von örtlichen Polizey- und Rentämtern beglaubigt.
Neben den üblichen Daten, wie Name des Täuflings, Tag und Ort der Geburt, enthalten diese Abschriften auch den Namen der Eltern, den Beruf des Vaters, eventuell sogar den Beruf des Großvaters, die Namen der Taufpaten, und manchmal noch den Namen der späteren Ehefrau.
Nicht alle Dokumente sind so informativ wie das unten angegebene Beispiel.

Eine beglaubigte Abschrift aus dem Kirchenbuch von St. Jacobi, Jüterbog

Signatur 3260/155
no 6 de1851 [17.6.1787, Tauf- und Traubescheinigung]

Blatt 155, Milde Stiftung betr., 7. Juni 1787, Geburts- und Taufnachweis

Übertragung des Kurrenttextes:

Milde Stiftung betr.

Den siebenten Juni des Jahres eintausendsiebenhundertsiebenundachzig [7.6.1787] ist Meister Johann Christian Dornebusch, weiland Windmüller, Gärtner und Einwohner in der Amtsvorstadt Neumarkt bei Jüterbog allhier, von seiner Ehefrau Anna, geborene Koppehelin ein Sohn geboren worden, welcher den 9. dieses Monats bei seiner Taufe die Namen Johann Christian erhalten hat. Im Jahre eintausendachthundertundfünfzehn, den 19. November [19.11.1815] ward dieser Johann Christian Dornbusch, Windmüllermeister, Gärtner und Einwohner allhier, weiland Mstr Johann Christian Dornebuschs‘, Windmüllers, Gärtners und Einwohner hierselbst nachgelassener ehelicher ältester Sohn, ein Junggeselle mit Johanne Elisabeth Schmiedichen, Martin Schmiedichens  Akkerbürgers, Hüfners, und Einwohners in Jüterbog allhier eheliche jüngste Tochter. Nach dreimaligen Aufgebote allhier in der Kirche zu St. Jacobi auf dem Neumarkt, vom Herrn Archidiac. Finger öffentlich getraut worden. Solches wird auf Verlangen den Tauf- und Trauungsnachrichten zufolge, die sich in dem hiesigen Kirchenbuche zu St. Jacobi befinden, hiermit bezeuget.

Amtsvorstand Neumarkt bei Jüterbog, den siebzehnten März eintausendachthundertundsechsundzwanzig [17. März 1826]

Gottlob Christian Baltzer
Pfarrer zu St. Jacobi

Attest[iert]
Jtbg 11/5/1835
Kaup

Auf der Rückseite des Blattes 155 befindet sich die Bestätigung, dass besagter Pfarrer auch wirklich die Befugnis dazu hatte.

Rückseite von Blatt 155,

St. Jacobi, Neumarkt, Jüterbog

Übertragung des Kurrenttextes:
Daß Herr Gottlob Christian Baltzer wirklich als Pfarrer zu St. Jacobi und als Diaconus zur St. Nikolaikirche hiesigen Orts angestellt ist, und als solcher befugt war, vorstehendes Kirchenzeugnis giltig auszustellen, wird hiermit pflichtmäßig attestiert.

Jüterbog, den 18. März 1826
königl. Preußisch. Land- und Stadtgericht
G. Hefler

Was tun, wenn die Kirchenbücher verbrannt sind?

Im nächste Schriftstück geht es um Gottlieb Block, der bei der Stiftung um eine Unterstützung ansuchen wollte, den Geburts- und Taufnachweis aber nicht erbringen konnte, da das Kirchenbuch im Jahr 1806 bei einem Brand vernichtet wurde. Gottlieb Block wurde am 19.9.1794 geboren und am 22.9.1794 getauft. Das Beibringen der nötigen Dokumente entpuppte sich als fast unmöglich, da es nur noch einen lebenden Paten gab, der die Existenz von Gottlieb Block und seine Geburts- und Taufdaten bestätigen konnte.

Signatur 3260, Blatt 162

Blatt 162, Beglaubigung der Person von Gottlieb Block,

Gottlieb Block, ein ehelicher Sohn des Gemeindeschäfers in Senst, Gottlieb Blocks und dessen Ehefrau Marie Catharine, geborene Dolk, ist geboren in Senst am 19. September 1794 und den 22. ejund. getauft. Pathen waren

1.) Estwin Hoppe, Drescher auf dem herrschaftl. gute in Senst

2.) Frau Marie Estwin Knape, Gottfried Knape, Kosäten in Senst, Ehefrau

3.) Jggsll Nikolaus Westpfahl, Schafknecht auf dem herrschaftl Gutein Senst

Vorstehendes Geburts- und Taufzeugnis wird – in Ermangelung der 1806 verbrannten Kirchenbücher – auf dem Grund eines bereits unterm 29. Aug. 1819 von dem ehemal. Pastor hl [hochlöblichen] J. M. Ch. Hagendorf ausgefertigten Zeugnisses, sowie auf die Aussage des ein(z)igen, noch lebenden Pathen des p. Block, des dermaligen Auszugs-Häuslers Gottfried Knape in Senst, pfarramtl. beglaubigt.

Pastorat Köselitz, Amtscloswig, den 28. April 1835,
P. Kühnas, P.

rotes Siegel

[Senst ist ein Ortsteil der Stadt Coswig]

zweite Seite des Blatts zu Gottlieb Block, Attest über die Befugnis von Pastor Kühnas

Zusatz am Ende des Schreibens:

Auf den Grund amtlicher Kenntnis der Hand-
weiter auf der Rückseite
und des Siegels wird hierdurch bezeugt, daß der zu Ausstellung der kirchlichen Atteste befugte hl Pastor Kühnas zu Köselitz das vorstehende Attest ausgestellt hat.

Coswig, 29. April 1835,
herzogl. Anhalt. Bernburg. Justizamt

Fortsetzung folgt, sobald ich wieder ein interessantes Schriftstück finde.

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